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Weniger ist für Weinfreunde mehr

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Daniel Imwinkelried, Bild: Samuel Golay
In allen wichtigen Produktionsländern Europas war die Weinlese im vergangenen Jahr rückläufig. Für Konsumenten stellt sich die Frage, ob sie für das Getränk nun mehr bezahlen müssen.

Im April des vergangenen Jahres ist es in gewissen Nächten bitterkalt gewesen, und diese Wetterkapriolen haben sich auf den Weinbau ausgewirkt. Die Schweizer Weinlese fiel 2017 mit 79 Mio. Litern so niedrig aus wie seit 1978 nicht mehr. Im Vergleich mit dem Vorjahr resultierte für die Weinbauern ein Mengenrückgang von 27%.

Wetterpech hatten die Winzer in fast ganz Europa. Im Norden des Kontinents machte den Weinbauern eher die grosse Kälte im Frühling zu schaffen, während die Konkurrenten ganz im Süden unter der sengenden Sommerhitze litten. In den führenden Produktionsländern Italien, Frankreich und Spanien betragen die Ernteausfälle als Folge davon 20 und 30%. 

Walliser Winzer stark betroffen

Allerdings waren selbst in der Schweiz, einem äusserst kleinen Produktionsland, die Wetterbedingungen von Region zu Region stark unterschiedlich: In Graubünden fiel die Weinlese nur um 5% niedriger aus als im Vorjahr. Winzer bezeichnen einen solchen Rückgang als Marginalie, die sich nicht auf das Geschäft auswirke. Im Wallis, der mit Abstand grössten Weinbaugegend der Schweiz, betrug der Rückgang hingegen 36%. Als Folge davon ist im vergangenen Jahr in der Waadt ein wenig mehr Wein geerntet worden als im Wallis.

Für die Konsumenten wird der Rückgang vorerst nur geringe Folgen haben. Zum einen dürfte die Qualität des Schweizer Weins überdurchschnittlich gut ausfallen. Die Gründe dafür sind das warme Sommerwetter und der Umstand, dass geringe Erntemengen die Qualität des Getränks fördern. Zum anderen wird sich bei den Preisen bis auf weiteres kaum viel ändern. Diese würden wohl höchstens geringfügig und vereinzelt erhöht, sagt der Graubündner Weinproduzent und Händler Andrea Davaz. «In einer ersten Phase werden die Produzenten nun ihre Lager leeren und auf ein ertragreiches Weinjahr 2018 hoffen.»

Generell konkurrieren die Weinbauern viel zu heftig miteinander, als dass sie nun die Preise stark anheben könnten. Sowohl in der Schweiz als auch in den grossen Weinnationen wie Italien und Spanien war der Konsum in den vergangenen Jahren rückläufig, während sich die Anbauflächen bei weitem nicht im gleichen Ausmass verringerten. Die Hersteller sahen sich immer wieder gezwungen, überschüssige Mengen zu Mostkonzentrat zu verarbeiten. Seit Jahren wetteifern selbst die Produzenten von qualitativ hochstehenden Weinen heftig um die Gunst der Weinliebhaber in den grossen Absatzmärkten. 

Rückläufiger Konsum

Hierzulande wurden 2016 pro Kopf 33,8 Liter Wein getrunken, ungefähr 22% weniger als vor 20 Jahren. Auf spürbar höhere Preise müssten sich die Weinliebhaber erst gefasst machen, wenn auch die diesjährige Lese schlecht ausfallen würde. Vor allem Deutschschweizer Weisswein würde in diesem Fall knapp, prognostizieren Weinbauern.