Aktuelles

BLW - Das Weinjahr 2016

Quelle /
Der vorliegende Bericht enthält die Zahlen über den Weinbau in der Schweiz für das Jahr 2016 und die Weinvorräte am 31. Dezember 2016. Ferner gibt er Auskunft über die Weinproduktion, den Kon- sum sowie die Ein- und Ausfuhr von Wein im Betrachtungszeitraum vom 1. Januar bis am 31. Dezem- ber 2016.

 

Vorbemerkungen

Rebfläche: Seit dem Jahr 2010 werden auch die sich auf französischem Boden befindenden Rebflä- chen in der Grenzzone zur gesamtschweizerischen Rebfläche gezählt, sofern diese zum Produktions- gebiet von Genfer Weinen mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung gehören. Die Rebflächen des Mi- sox (GR) werden der italienischsprachigen Schweiz angerechnet und nicht dem Kanton Graubünden, da der Weinbau im Misox demjenigen des Tessins gleicht.

Ernte: Die Zahlen der Genfer Ernte umfassen seit dem Jahr 2010 auch die Erntemengen aus der be- nachbarten Grenzzone für Genfer Weine mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung. Die Erntemengen des Kantons Graubündens umfassen nicht das Misox, welches separat aufgeführt und der italienisch- sprachigen Schweiz zugeordnet wird. Da der Kanton Tessin grosse Mengen an roten Trauben (gröss- tenteils Merlot) zu weissem Wein verarbeitet, werden die entsprechenden Mengen unter der Rubrik «Weisswein» aufgeführt. Die entsprechenden Rebflächen werden jedoch bei den Flächen der roten Sorten verbucht.

Lagerbestände: Die Weine sind nach Klasse (Wein mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung [AOC], Landwein [LW] oder Tafelwein [TW]) und nach Herkunft eingeteilt. Für die Lagerbestände an Schwei- zer Weinen wurden nur jene Mengen berücksichtigt, die eindeutig der Schweiz zugeordnet werden konnten.

Die Lagerbestände werden von der Stiftung «Schweizer Weinhandelskontrolle» (SWK) über die Inven- tarmeldungen der ihr unterstellten Betriebe erhoben. Viele Kantone kennen zudem eine gleichwertige kantonale Kontrollstelle. Ihr können Betriebe unterstellt sein, die ausschliesslich ihre eigenen Produkte verarbeiten und verkaufen und jährlich höchstens 20 hl aus demselben Produktionsgebiet zukaufen. In der Zentral- und Ostschweiz sind diese gleichwertigen Kontrollstellen beim jeweiligen kantonalen Laboratorium angesiedelt und in folgenden Kantonen vorhanden: AG, SH (kontrolliert auch GL, AI und AR), TG, ZH (kontrolliert auch GR). In der Westschweiz ist die Interkantonale Zertifizierungsstelle (IZS/OIC), für die Kantone BE, FR, GE, JU, NE, VD, VS und seit 1.1.2016 auch für BL, BS und SO zu- ständig. Die IZS/OIC arbeitet im Auftrag der Kantone.

Konsum: Die Berechnung des Weinkonsums berücksichtigt die Lagerbestände sämtlicher Betriebe, die der SWK oder einer kantonalen Kontrollstelle unterstellt sind. Die Weine ohne geografische Anga- ben können nicht mit Sicherheit der Schweiz zugeordnet werden, weshalb sie unter der Rubrik der ausländischen Weine verbucht werden. Die Rubrik «Gesamtkonsum» unterscheidet sich von der Rubrik «Gesamtkonsum in der Schweiz» dadurch, dass von Letzterem die Weinausfuhren abgezogen werden. Für den Konsum nach Ursprung bzw. Region werden nur die Weinvorräte berücksichtigt, wel- che eindeutig dem entsprechenden Produktionskanton bzw. der entsprechenden Region zugeordnet werden können. Daher werden für die Berechnung des Konsums nach Ursprung bzw. Region nur die AOC-Weinlager berücksichtigt. Die AOC-Traubenproduktion macht Schätzungen zufolge über 95 % der Gesamtproduktion aus. Bei den AOC-Lagerbeständen nach Region ist ebenfalls zu bedenken, dass gemäss Lebensmittelgesetzgebung bis zu 10 % Schweizer Wein anderer Regionen darin enthal- ten sein kann (Verschnitt), wobei einige Kantone diese Möglichkeit ausschliessen. AOC-Weine kön- nen ebenfalls zu Land- oder Tafelwein deklassiert werden und so als "konsumiert" gelten. Die aussa- gekräftigste Zahl ist deshalb der schweizweite Weinkonsum.

 

Zusammenfassung

 

Rebfläche (Tabellen 1.1 bis 1.4)

2016 umfasst die totale Schweizer Rebfläche 14 780 Hektaren. Analog der Vorjahre hat sie nur unwe- sentlich abgenommen (–13 ha; –0,1 %). Die mit weissen Rebsorten bepflanzte Fläche beträgt gerundet 6 303 ha (+28 ha), jene mit roten Rebsorten 8 477 ha (–41 ha). Der Flächenanteil weisser Rebsorten stellt 43 % der Gesamtfläche dar, jener der roten Rebsorten 57 %.

Das Wallis ist mit 4 875 ha (–32 ha im Vergleich zum Vorjahr) der grösste Weinbaukanton der Schweiz. Gefolgt von den Kantonen Waadt mit 3 774 ha (+3 ha), Genf mit 1 409 ha (–2 ha) und dem Kanton Tessin mit einer Rebfläche von 1 096 ha (–2 ha).
In der Deutschschweiz verfügt der Kanton Zürich mit 608 ha (+1 ha) über die grösste Rebfläche, gefolgt von den Kantonen Schaffhausen mit 483 ha (gleichbleibend) und Graubünden (inkl. Misox) mit 449 ha (–1,7 ha).

Der mehrjährige Rückgang an mit Pinot Noir (Blauburgunder) bestockter Rebfläche – die häufigste an- gebaute Rebsorte der Schweiz – setzt sich mit einem Rückgang um 67 ha auch im Weinjahr 2016 fort, die gesamte Pinot-Noir-Fläche beträgt 4 140 ha. Wiederum verringert sich auch die Anbaufläche von Chasselas gegenüber 2015 um 49 ha und erreicht neu eine Gesamtfläche von 3 789 ha. Die dritthäu- figste Rebsorte der Schweiz, der Gamay, nimmt ebenfalls um 34 ha ab und beträgt neu 1 307 ha. Da- gegen setzt sich der positive Trend der Merlot-Traube fort: Ihre Rebfläche nimmt weiter zu und beträgt neu 1 140 ha (+15 ha; +1,34 %).

 

Ernte (Tabellen 2.1 und 2.2)

Die Weinlese 2016 liegt mit rund 108 Mio. Litern über dem langjährigen Schnitt (+8 Mio. Liter im Ver- gleich zu 2005–2015) und liegt mehr als ein Viertel über der Vorjahresmenge, wobei 2015 die Erträge auf einem Rekordtief lagen. Deutlich mehr geerntet wird in der Romandie (+32,8 %; +22 Mio. Liter) und in der Südschweiz (+32,5 %; +1,5 Mio. Liter). In der Deutschschweiz liegen die Erträge dagegen vor allem in den grösseren Weinbaukantonen (u.a. ZH, SH, GR, AG) sogar noch unter denjenigen von 2015 (–6,1 %; –0,8 Mio. Liter).

Ein milder Winter mit wenig Schnee sorgte für schweizweit gute Startbedingungen ins Weinjahr 2016. Im Verlaufe des Aprils stellte sich jedoch eine kühle und nasse Witterungsphase ein, die bis in den Frühsommer andauerte. Ende April kam es sogar verbreitet zu Bodenfrost. Ergiebige Niederschläge führten in der Folge zu einem starken Befall mit Falschem Mehltau. Ab Mitte Juli stellte sich allmählich besseres Wetter ein, allerdings drohte nun ein massiver Befall durch die Kirschessigfliege. Der som- merlich-trockene Herbst vermochte die befürchteten, grossflächigen Schäden glücklicherweise zu ver- hindern. Insgesamt konnte trotz punktuellen Ertragseinbussen durch den Falschen Mehltau gesundes und ausgereiftes Traubengut geerntet werden.

 

Importe und Exporte (Tabellen 3.1 bis 3.3)

Insgesamt werden im 2016 rund 185 Mio. Liter an Weinen, Schaumweinen, Süssweinen, Weinspezia- litäten, Mistellen und Traubenmosten importiert. Dies sind 2,76 Mio. Liter weniger als im Vorjahr. Da- von werden rund 157 Mio. Liter innerhalb des Zollkontingents eingeführt, womit das Kontingent von 170 Mio. Liter auch im 2016 nicht ausgeschöpft wird. Abgenommen haben sowohl die Importe an Weisswein (Total 39,4 Mio. Liter; –776 400 Liter) wie auch Rotwein (Total 123 Mio. Liter; –3,0 Mio. Li- ter). Analog Vorjahr ist auch die Einfuhr von Verarbeitungsweinen um 734 200 Liter auf rund 5 Mio. Liter gesunken. Zugenommen haben dagegen die Importe an Schaumweinen, von welchen insgesamt rund 19 Mio. Liter eingeführt werden (+938 200 Liter; +5,2 %), sowie auch Süssweine und Trauben- most.

Bei den Herkunftsländern führt weiterhin Italien mit rund 73,6 Mio. Litern, vor Frankreich mit rund 38,6 Mio. Litern und Spanien mit rund 31,6 Mio. Litern. Aus Portugal werden rund 10,6 Mio. Liter ein- geführt.

Die im Vergleich zu den Importen bescheidenen Exporte nehmen im Vergleich zu den Vorjahren nochmals weiter ab um 104 700 Liter (–7,85 %). So wurden im 2016 insgesamt rund 1,23 Mio. Liter exportiert, wobei in diesen Zahlen auch die eingeführten und wieder ausgeführten ausländischen Weine enthalten sind.

 

Lagerbestände (Tabellen 4.1 bis 4.3)

Die am 31. Dezember 2016 erhobenen Lagerbestände an Weiss-, Rot-, Rosé- und Schaumweinen verzeichnen erstmals seit 2012 wieder eine Zunahme und sind von rund 204,3 Mio. Litern (2015) auf 221,3 Mio. Litern angestiegen (+17 Mio. Liter; +8,3 %).

Sie umfassen knapp 147 Mio. Liter an Schweizer Wein kontrollierter Ursprungsbezeichnung
(+11,5 %), rund 14 Mio. Liter an Schweizer Landweinen (+30,5 %), gut 5,5 Mio. Liter an Schweizer Tafelweinen sowie Weinen ohne Herkunftsbezeichnung (+2,8 %) und knapp 55 Millionen Liter an aus- ländischen Weinen (–2,9 %).

Auffallend ist der deutliche Rückgang der Weinvorräte in der Deutschschweiz, welche mit den tiefen Ernteerträgen der grösseren Weinbaukantone im 2016 korrelieren. Im Gegensatz zum Erntejahr 2015 nehmen die Vorräte bei den ausländischen Weinen generell ab, wobei die Bestände an Schaumwei- nen und anderen Weinen zugenommen haben.

Erstmals erscheint auch der Kanton Jura unter der Rubrik „Schweizer Weine mit kontrollierter Ur- sprungsbezeichnung (AOC)“. Dieser hat im 2016 erstmals ein eigenes AOC-Reglement erlassen.

 

Konsum (Tabellen 5.1 bis 5.5)

Im Jahr 2016 wurden nach den vorliegenden Berechnungen rund 253 Mio. Liter Wein konsumiert. Der Konsum sank dabei im Vergleich zum 2015 um rund 10 Millionen Liter (–3,8 %), was der abnehmen- den Tendenz der Vorjahre entspricht. Dabei ist sowohl der Gesamtverbrauch an Schweizer Wein wie auch ausländischem Wein – unter der Berücksichtigung von Verarbeitungs- und Exportweinen rück- läufig. Der Konsum von Schweizer Weinen ist um 9,6 Mio. Liter auf 89 Mio. Liter gesunken. Der Kon- sum von ausländischen Weinen reduzierte sich um 316 200 Liter auf 164 Mio. Liter. Damit ist der Marktanteil von Schweizer Wein auf 35 % gesunken.

Der Rückgang des Weinkonsums ist auf die drei tiefen Erntemengen in den Jahren 2013–2015 zu- rückzuführen. In diesen Jahren war die Weinlese jeweils tiefer als der Weinkonsum, sodass die Lager- bestände stetig gesunken sind. Die Nachfrage nach Schweizer Wein kann mit der Produktion folglich nicht mehr gedeckt werden.

Generell wäre zu erwarten, dass die ungedeckte Nachfrage nach Schweizer Wein durch Importwein ausgeglichen würde. Jedoch ist dies nur teilweise der Fall: Nur der Konsum von ausländischem Weisswein steigt um 1,9 % auf 39,8 Mio. Liter, während der Schweizer Weissweinkonsum um 13,1 % sinkt und bei 42,5 Mio. Liter zu liegen kommt.

Der Konsum von ausländischem Rotwein sinkt sogar leicht um 0,9 % und liegt momentan bei 124,6 Mio. Litern. Der Schweizer Rotweinkonsum geht um 6,3 % zurück und beträgt noch 46,6 Mio. Liter.

Wenn man berücksichtigt, dass die ständige Wohnbevölkerung auch 2016 wieder gewachsen ist (nämlich um 90 600 Personen oder +1,1 % auf 8,4 Millionen Einwohner1), geht der Pro-Kopf-Weinkon- sum weiter zurück auf knapp 30 Liter. In diese Zahlen nicht eingerechnet sind die privaten Einfuhren im Reisendenverkehr.

 

Für weitere Auskünfte zum Weinjahr 2016 wenden Sie sich bitte an:

Doris Boehlen
Bundesamt für Landwirtschaft BLW Fachbereich Pflanzliche Produkte Tel.: +41 58 463 02 06
E-Mail: doris.boehlen@blw.admin.ch 

 

Archiv vollständige Berichte